
Programmkommission
«Streitpunkt SRG» hat sich gefunden
Die SRG Region Basel hat 2023 entschieden, die Programmkommission aufzulösen und die Programmbegleitung anders zu realisieren. Das Resultat war das Konzept «Streitpunkt SRG»: Eine öffentliche Diskussionsveranstaltung über Aspekte des Angebots von SRF. Bei «Streitpunkt SRG» geht es nicht um eine einzelne Sendung oder ein einzelnes Angebot auf Instagram oder YouTube. Es geht darum, dass sich die SRG als medialer Service public der öffentlichen Diskussion zu einem bestimmten Thema stellt. Die erste Ausgabe von «Streitpunkt SRG» widmete sich denn dem Thema «Gender auf dem Sender» – wie soll SRF mit Gender umgehen?
Die zweite Ausgabe von «Streitpunkt SRG» widmete sich dem Stadt-Land-Graben: «Zu viel Stadt? Zu ländlich? Sagen Sie SRF Ihre Meinung!» Gerade in der Region Basel kochen die Stadt-Land-Gegensätze wieder auf. Es stellt sich deshalb die Frage: Dreht sich auf SRF zu viel um die Stadt? Oder bringt SRF umgekehrt zu wenig Informationen über ländliche Gebiete? Ist SRF zu kühl-urban – oder im Gegenteil zu ländlich-altbacken? Patrick Künzle, Leiter Regionaljournal Basel-Baselland Radio SRF, Baptiste Planche, Leiter Fiktion bei SRF, Maya Graf, Ständerätin des Kantons Basel-Landschaft und Catherine Alioth, Biologin, Grossrätin BS (LDP) diskutierten am 11. Juni 2024 im SRF-Auditorium im Meret-Oppenheim-Haus in Basel.
Der Stadt-Land-Gegensatz ist inhaltlich spannend. Journalistisch dreht sich die Berichterstattung von SRF vor allem um die grossen Städte: Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft – die Schlagzeilen entstehen in den Zentren. Das gilt auch und gerade in der stark zentralisierten Region Basel. Sich selbst sieht die Schweiz jedoch als ländliches Land. Berge, Kühe, Bauernhöfe prägen das Bild. «Neumatt» und «Tschugger», die beiden erfolgreichsten TV-Serien von SRF, spielen auf dem Land. Besonders beliebt sind die «Landfrauenküche» oder «bi de Lüt».
Streitpunkt SRG hat versucht, diesen Stadt-Land-Graben doppelt zu thematisieren: Einerseits inhaltlich, also Stadt und Land (und die damit verbundenen Konflikte) als Thema in der Berichterstattung im «Regionaljournal Basel Baselland», andererseits im Stil der Gegensatz zwischen städtisch und ländlich in Form und Inhalt in der Fiktion. Daraus ergibt sich eine Spannung, die man in der stark zentralisierten Region Basel im Kleinen gut beobachten kann. Als Konzept für eine Hintergrundsendung hätte das Thema wohl gut funktioniert. Als Basis für eine Veranstaltung erwies es sich als zu kompliziert. Leider.

Die darauf folgende Ausgabe von «Streitpunkt SRG» hat sich deshalb einem einfacher vermittelbaren Thema gewidmet: der Literaturberichterstattung von SRF. Im sehr gut besuchten Auditorium des Meret Oppenheim-Hochhauses diskutierten Anfang 2025 Exponenten und Exponentinnen der Literaturszene, von Buchhandel und Verlagen mit den Verantwortlichen bei SRF und mit dem Publikum. Damit hat «Streitpunkt SRG» seine Form gefunden: eine öffentliche Diskussion zwischen Stakeholdern eines Themas, Programmschaffenden und Publikum.
Matthias Zehnder, Präsident Programmkommission