Programmkommission
SRG Region Basel: Wenn Literatur und Wirtschaft auf SRF treffen
Die SRG Region Basel hat 2023 entschieden, die Programmkommission aufzulösen und die Programmbegleitung anders zu realisieren. Das Resultat war das Konzept «Streitpunkt SRG»: Eine öffentliche Diskussionsveranstaltung über Aspekte des Angebots von SRF. Bei «Streitpunkt SRG» geht es nicht um eine einzelne Sendung oder ein einzelnes Angebot auf Instagram oder YouTube. Es geht darum, dass sich die SRG als medialer Service public der öffentlichen Diskussion zu einem bestimmten Thema stellt. Die erste Ausgabe von «Streitpunkt SRG» widmete sich denn dem Thema «Gender auf dem Sender» – wie soll SRF mit Gender umgehen?
Wie viel SRF braucht die Basler Wirtschaft? Und wie steht es um die Literatur? «Streitpunkt SRG» heisst die Publikumsdiskussion der SRG Region Basel. Zweimal im Jahr stellen wir den Service Public zur Debatte und geben Raum für eine ausführlichen Austausch zwischen SRF-Programmschaffenden und Publikum.
Im Januar 2025 stand die Literatur im Fokus: Wie viel SRF braucht die Literatur – und umgekehrt? Vertreterinnen und Vertreter von Verlagen, Buchhandel und Bibliotheken, Schreibende und Lesende diskutierten über das Angebot von SRF in Radio und Fernsehen und seine Bedeutung für die Branche. Literaturproduzentinnen wie Larissa Waibel, Verlagsleitung Limmatverlag, oder Patrizia Grab, Verlagsleitung Rotpunkt Verlag, und Literaturvermittlerinnen wie Carmen Lee vom Kulturhaus Bider&Tanner oder die Philosophin Martina Bernasconi betonten die grosse Bedeutung von SRF für die Schweizer Literatur. Alle Anwesenden beklagten aber auch die schwindende Tiefe der Auseinandersetzung mit der Literatur. Insbesondere die Sendung «Zwei mit Buch» stiess auf Kritik.
Ebenso tapfer wie leidenschaftlich stellte sich Felix Münger von der SRF-Literaturredaktion der Kritik, gab Einblick in die Überlegungen hinter den Kulissen und nahm auch Anregungen auf. Als einer der Podcast-Hosts von «Zwei mit Buch» verteidigte er das Format und zeigte auf, wie eng die Grenzen des Machbaren bei SRF Kultur heute sind.
Der zweite SRG Streitpunkt nahm die Wirtschaft in den Fokus: Was braucht die Wirtschaft in der Region Basel – und was braucht SRF? Vertreterinnen und Vertreter der Handelskammer beider Basel und des Basler Gewerbeverbands diskutierten mit der SRF-Wirtschaftsredaktion über Erwartungen, Ansprüche und Verantwortung in der Wirtschaftsberichterstattung von SRF in der Region Basel.
In zwei Runden brachten die Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft ihre Anliegen ein. Maurus Ebneter, Präsident Wirteverband Basel-Stadt, Andreas Meyer, Geschäftsführer Landsrath Bedachungen und Romy Schweizer, Geschäftsführerin der Schreinerei Robert Schweizer AG, kritisierten vor allem den negativen Grundton der Berichterstattung: Die Arbeitgeber seien in den Medien oft die «Bösen». Gerade im Bereich Wirtschaft berichteten die Medien vor allem über «bad news», wo es doch auch in der Region Basel viele «good news» zu vermelden gäbe.
Für Thomas Meier, CEO der Bachem Group, bräuchte es mehr Nähe von den Journalistinnen und Journalisten zur Wirtschaft. Nadia Tarolli, Partnerin bei Vischer und Bankrätin der Basellandschaftlichen Kantonalbank, empfindet die Wirtschaftsberichterstattung bei SRF als wenig ausgewogen. Oscar Elias, CEO der Stamm-Bau AG, plädierte für mehr investigativen Journalismus und dass SRF mehr in die Arbeit der Unternehmen eintaucht.
Der Kritik stellten sich SRF-Wirtschaftsredakteurin Isabel Pfaff, Tobias Bossard, TV-Korrespondent Basel und Wirtschaftsredaktor bei SRF, und Andi Lüscher, Co-Leiter Fernseh-Wirtschaftsredaktion und Moderator bei SRF. Sie drehten den Spiess um und fragten, wie offen die Unternehmen gegenüber Medienschaffenden sind. Das nötige «Geben und Nehmen» zwischen Medien und Wirtschaft sei nicht immer vorhanden, meinte Tobias Bossard.
Es brauche eine kritische Distanz zwischen Medien und Unternehmen, betonte Bossard. Dem Vorwurf, SRF berichte zu negativ, widersprachen die drei Medienschaffenden indes nicht. Sie verwiesen aber auch auf Formate und Inhalte, die positive Aspekte der Wirtschaft beleuchten und in denen Unternehmen eine Plattform erhalten. Isabel Pfaff erinnerte daran, dass die Wirtschaft diese Angebote auch nutzen muss. Tobias Bossard gab zu bedenken, dass die Basler SRF-Redaktion ihre Themen stets in Zürich durchsetzen müsse und erst noch die Ressourcen vorhanden sein müssen, um über eine regionale Wirtschaftsgeschichte berichten zu können.
Matthias Zehnder, Präsident Programmkommission