Regionaljournal BS BL

Zwei Meilensteine

Europa zu Gast in Basel – und bei der Regionalredaktion. Im Vorfeld des Eurovision Song Contests in Basel gab es Journalisten-Kolleginnen aus anderen Regionen, die mich mitleidig anschauten. Sie sagten mir, sie seien froh, dass sie nicht über den ESC berichten müssten. Auf den ganzen Rummel hätten sie keine Lust. Und überhaupt: Musikwettbewerbe seien nicht das Kerngeschäft von Newsjournalisten.

Ich habe die Skepsis meiner Berufskollegen nie geteilt. Im Gegenteil: Ich habe mich sehr auf den ESC gefreut. Eine solche Riesenkiste in der eigenen Stadt mit dem eigenen Arbeitgeber als Veranstalter – das erlebst du nur einmal im Leben.

Rückblickend darf ich sagen: Die ESC-Woche war ein grossartiges Erlebnis. Wir als Regionalredaktion veranstalteten täglich einen Talk mit prominenten Gesprächspartnern auf dem Messeplatz. Unsere Radio- und Online-Reporterinnen fingen in nationalen und regionalen Sendegefässen die grossartige Atmosphäre in der Stadt ein – berichteten aber auch von heiklen Situationen bei Demonstrationen rund um den ESC.

Mein persönlicher Höhepunkt war mitzuerleben, wie die Radio-Kollegen von der BBC aus unserem Studio sendeten. Die «Scott Mills Breakfast Show» ist eine der meistgehörten Radiosendungen Grossbritanniens und sie kam in der ESC-Woche live aus dem Meret-Oppenheim-Hochhaus. Den Radiomachern von der Insel zuzuschauen und sich mit ihnen auszutauschen, empfand ich als sehr bereichernd.

Der Eurovision Song Contest war aber auch deshalb ein schönes Erlebnis, weil ich gemerkt habe, dass in dieser Woche viele SRF-Mitarbeitende stolz waren auf ihren Arbeitgeber. Weil die SRG eine grossartige Show in der St. Jakobshalle auf die Beine stellte.

Die Regionalredaktionen als Blaupause für die grosse Fusion. SRF steht vor einer grossen Veränderung. Im 2026 fusionieren im Bereich Information die Vektoren Radio, Fernsehen und Digital. Bislang gab es innerhalb von SRF die sogenannte Binnenkonkurrenz. Es wurde darauf geachtet, dass Radio und Fernsehen strikt getrennt waren. Damit wollte man die Vielfältigkeit garantieren – dass zum Beispiel im Echo der Zeit nicht über die gleichen Themen berichtet wird wie im Schweiz aktuell. Nun werden die Mauern zwischen Radio und Fernsehen eingerissen. Das hat auch damit zu tun, dass SRF sparen muss.

Die Regionalredaktionen sind hier Vorreiter. Sie haben Radio, Fernsehen und Digital bereits fusioniert. Seit dem 1. Dezember 2025 gehören bei uns in Basel die TV-Korrespondentin Catherine Thommen und der TV-Korrespondent Tobias Bossard zum gleichen Team wie die Radioleute und die Digital-Korrespondenten.

Was verändert sich damit auf der Regionalredaktion? Durch die Fusion aller Vektoren planen wir nun viele Geschichten multimedial. Wenn wir ein spannendes Thema auf dem Tisch haben, überlegen wir uns, wie wir die Geschichte im TV, im Radio und auf der App erzählen können. Die gemeinsame Planung macht es möglich, dass die Radio- und Fernsehleute nicht mehr – wie früher teilweise geschehen – das genau gleiche Thema recherchieren. So können wir in Zeiten der immer schmaleren Budgets effizienter arbeiten. Ein Gewinn ist zudem, dass beispielsweise unsere TV-Kollegen ihre Expertise in bestimmten Themen auch fürs Radio einbringen können und umgekehrt.

Die Erfahrungen, die wir nun in den Regionalredaktionen mit der multimedialen Organisation sammeln, sind wichtig für ganz SRF. Sie dienen als Blaupause für die grosse Fusion der Chefredaktionen Audio/Digital und Video. Für uns in den Regionen erachte ich es als Vorteil, dass wir jetzt bereits multimedial aufgestellt sind. So sind wir gerüstet für die grossen Veränderungen im Unternehmen.

Patrick Künzle, Leiter Regionalredaktion Basel Baselland